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PNZ Aachen - Patent des Monats August

Der Strandkorb

Von deutschen Küsten nicht wegzudenken: der Strandkorb! Als komfortabler Rückzugsort für fast jedes Wetter ist er ein fester Bestandteil der deutschen Strandkultur und in der Corona-Pandemie der ideale Abstandhalter.

Seit Einführung des ersten Prototyps haben sich Bauweise und äußeres Erscheinungsbild nahezu nicht verändert, auch wenn es in der Patentgeschichte etliche Verbesserungsvorschläge gab. Eine der jüngsten technischen Lösungen, die 2017 unter dem Titel „Strandkorb“ beim DPMA zum Gebrauchsmuster angemeldet (DE202017101563U1) wurde, ermöglicht Strandkorbbesitzern ein Mehr an Mobilität und Ortsunabhängigkeit - unser „kleines“ Patent des Monats August!

Die in unserem Gebrauchsmuster – umgangssprachlich auch „Kleines Patent“ genannt – beschriebene Weiterentwicklung des klassischen Modells sieht eine zerlegbare Konstruktion und Seitenfenster vor. Der Erfinder hat einen Strandkorbbausatz aus voneinander getrennten Gestell- und Oberkorbteilen entworfen. So kann das ansonsten sehr unflexible, klobige Ungetüm als Paket verschickt oder im Auto transportiert werden. Die zusätzlich vorgeschlagenen Acrylglas-Seitenscheiben lassen neugierige Blicke auf die Umgebung zu - so sind die Strandkorbinsassen zwar weiterhin gut geschützt, können aber verfolgen, was um sie herum vorgeht und Kontakt nach außen aufnehmen.

Die Erfolgsgeschichte des Urtyps, der erstmalig Anfang der 1880er Jahre an der Ostsee gesichtet wurde, ist allerdings keine Patent-Erfolgsstory. Frühe Formen des überdachten Möbels, die vor allem dem Schutz vor Zugluft in großen und kalten Wohnräumen und Fluren dienten, waren bereits Ende des 16. Jahrhunderts im europäischen Korbmacher-Handwerk überliefert.

Die erste schriftliche Dokumentation findet sich im 1871 veröffentlichten Musterbuch des Korbmachers Ernst Karl Nikolaus Freese. Aber erst 10 Jahre später soll der Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann den ersten Strandkorb in Warnemünde aufgestellt haben. Die Geschichte dahinter: Bartelmann bekam eine Anfrage einer rheumakranken Dame, die sich eine schützende Sitzgelegenheit wünschte, um trotz Krankheit ihren Strandaufenthalt genießen zu können. Bartelmann lieferte einen einsitzigen Strandstuhl mit einer Hülle aus Weidengeflecht, die mit Stoff verkleidet wurde. Seine Frau Elisabeth erkannte das Potenzial des Strandkorbs im boomenden Fremdenverkehr und war die treibende Kraft bei der Verbreitung des Strandmöbels an den deutschen Nord- und Ostseeküsten.

Seinen ersten Entwurf, der noch viel Ähnlichkeiten mit Freeses Muster hatte, entwickelte er für die Bedienung der steigenden Nachfrage weiter zu einem Zweisitzer, versehen mit Markise, Fußstützen und Seitentischen. Mit diesem Design lieferte er den Prototyp für alle folgenden Varianten, und gilt daher zu Recht als Erfinder des Strandkorbs. Patentiert hat Bartelmann seine Entwicklung jedoch nie. Über die Gründe darf spekuliert werden. Hat er es vergessen oder glaubte er nicht an das Patentsystem? Wirtschaftlich erfolgreich war er trotzdem, dank des guten Marketings durch Elisabeth Bartelmann!

Das Patent- und Normenzentrum wünscht Ihren Ideen langanhaltenden Erfolg!

Von der Idee bis zum Produkt“ – Wir bieten praxisnahe Dienstleistungen für Forscher*innen, Unternehmer*innen, Handwerker*innen, Gründer*innen sowie freie Erfinder*innen zum Schutz Ihrer Ideen. Alle unsere Dienste stellen wir Ihnen auch virtuell zur Verfügung!

 

Quellen:

Dokument: https://www.dpma.de/docs/dpma/veroeffentlichungen/de202017101563u1_strandkorb2018.pdf

DPMA-Seite: https://www.dpma.de/dpma/veroeffentlichungen/hintergrund/strandkorb/index.html

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Strandkorb

Ernst Freese: Zeichnungen für Korbmacher und Korbmöbelfabrikanten. 800 Abbildungen auf 18 Tafeln nebst erläuterndem, die genaue Maassangabe enthaltenden Texte. 3. Auflage. Ernst Homann Verlag, Kiel 1871, zitiert nach: Moritz Holfelder: Das Buch vom Strandkorb. Husum 1996, S. 34

Bildquelle: www.pixabay.com

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